Kornschreiberhaus
Der zweigeschossige Fachwerkbau mit charakteristischem Dach und ursprünglicher Auskragung spiegelt eine frühzeitliche Zimmermannskonstruktion wider. Besonders bemerkenswert ist die weitgehend erhaltene Raumstruktur im Obergeschoss, die seit Jahrhunderten nahezu unverändert geblieben ist. Hier befand sich unter anderem eine sogenannte „verbohlte Stube“, ein zentraler Wohnraum, der bereits im 15. Jahrhundert durch einen Fenstererker erweitert wurde.
Seinen Namen verdankt das Gebäude dem Kornschreiber, der für die Erhebung von Abgaben – häufig in Form von Getreide – zuständig war. Damit ist das Haus nicht nur architektonisch, sondern auch historisch eng mit der Verwaltung und Wirtschaft der damaligen Zeit verbunden.
Im Jahr 1800 wurde im Kornschreiberhaus der Zeichenlehrer Eduard Mauch geboren, der später am Weiterbau des Ulmer Münsters beteiligt war. Nachdem das Gebäude im 20. Jahrhundert stark gefährdet war, wurde es Anfang der 1990er Jahre sorgfältig abgetragen und unter Verwendung originaler Bauteile originalgetreu wieder aufgebaut.
Heute steht das Kornschreiberhaus als bedeutendes Kulturdenkmal und eindrucksvolles Zeugnis mittelalterlicher Baukunst im Stadtbild von Geislingen.
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