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Historische Stätte, Calw

Flößerei in Calw

Die Flößerei prägte die Stadt bis zur Eröffnung der Bahnstrecke 1872, das letzte Floß fuhr 1911 durch Calw.

20 bis 30 Meter lange Holzstämme (auch Holländer genannt) wurden zu Sammelplätzen in den Flussniederungen von Nagold und Enz verfrachtet. Die mächtigen Tannen- und Fichtenstämme des Nordschwarzwaldes wur-den zu Flößen von bis zu 200 Meter Länge gebunden und über Nagold und Enz zum Neckar geflößt. Von hier aus ging die Reise über den Rhein bis in die Niederlande, wo der Rohstoff aus dem Schwarzwald reißenden Absatz fand. Durch die Flößerei und auch den Tuchhandel hatte Calw sich im 19. Jahrhundert zu einer bekannten und reichen Handelsstadt aufgebaut. Das Palais Vischer in der Bischofstraße, in dem sich heute das Stadtmuseum befindet, ist heute noch ein Zeichen dieses Reichtums.

Kein Geringerer als Hermann Hesse hat der traditionsreichen Flößerei auf der Nagold ein literarisches Denkmal gesetzt. In seiner Erzählung „Floßfahrt“ schreibt er: Längst verschwunden aber ist etwas, was es damals auf dem Flusse gab, etwas Schönes und Geheimnisvolles, etwas Märchenhaftes, etwas vom Allerschönsten, was dieser sagenumwobene
Fluss besaß: die Flößerei. Damals, zu unsern Zeiten, wurden die Schwarzwälder Tannenstämme den Sommer über in gewaltigen Flößen alle die kleinen Flüsse zuweilen bis nach Mannheim und zuweilen noch bis nach Holland hinunter auf dem Wasser befördert, die Flößerei war ein eigenes Gewerbe, und für jedes Städtchen war im Frühjahr das Erscheinen
des ersten Floßes noch wichtiger und merkwürdiger als das der ersten Schwalben. Die Flößerei auf der Nagold wurde bereits in dem Floßvertrag zwischen der Reichsstadt Heilbronn, Württemberg und Baden im Jahr 1342 erwähnt. Erst 1623 wurde die Nagold als durchgehende Floßstraße ab Schorrental unterhalb von Urnagold bis zur Mündung in die Enz in Pforzheim hergestellt. Vom Dreißigjährigen Krieg erholte sich die Flößerei
nur langsam. Erst gegen Ende des 17. Jahrhunderts begann der lukrative Holzhandel mit Holland, wo die großen Tannenstämme als Masten für Schiffe begehrt waren. 1711 bekam der Calwer Handelsmann Johann
Martin Vischer durch fürstliches Reskript die Erlaubnis zum Holländerflößen. Auf sein Betreiben hin bildete sich die Holländerholzkompagnie mit Mitgliedern aus verschiedenen Orten des Enz- und des Nagoldtales. Johann Martin Vischer jun., der Sohn des
gleichnamigen Firmengründers, „verstand“ sein Geschäft und brachte es zu beachtlichem Wohlstand. Er ließ sich vom herzoglichen Hofbaurat Fischer am rechten Nagoldufer in der Bischofstraße ein repräsentatives Wohn- und Geschäftshaus errichten, das Palais Vischer. Heute ist hier das städtische Museum untergebracht. Mitte des 19. Jahrhunderts erreichte die Flößerei einen Höhepunkt. Anschließend verlor der Langholzhandel aus dem Schwarzwald immer mehr an Bedeutung. Dazu
trugen die größer werdende Konkurrenz von ausländischen Holzlieferanten bei und die neu errichteten Eisenbahnlinien (Schwarzwaldbahn 1872, Nagoldtalbahn 1874), die Landstraßen wurden ausgebaut, und die Flößerei hatte im Konflikt mit der wachsenden Zahl der Mühlen und gewerblichen Nutzer der Wasserkraft immer mehr das Nachsehen. In die Schlussphase der Flößerei fällt die Gaudiflößerei, als Freizeitvergnügen für Einheimische und Touristen. Das letzte Floß fuhr im Februar 1911 auf der Nagold. Offiziell eingestellt wurde die Flößerei zum 1. Februar 1913

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