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Historisches Gebäude, Konstanz

Schwarzacher Hof

Der „Schwarzacher Hof“ ist ein beeindruckendes Gebäude: Vom barocken Treppenhaus über reiche Stuckverzierungen bis hin zu Wandmalereien aus dem 17. Jahrhundert im Hinterhaus sind viele, vor allem malerische, Elemente restauriert und erhalten worden.

Das Wohnhaus Zollernstraße 4 mit den historischen Hausnamen „Schwarzacher Hof“ und „Zum goldenen Schwert“ besteht aus einem zur Straße gerichteten Vorderhaus sowie einem hofseitigen Hinterhaus und verfügt über eine herausragende Ausstattung aus Renaissance, Barock und Klassizismus. Dieses einmalige Zeugnis frühneuzeitlicher Wohnkultur in Konstanz wurde bei der ab 2008 laufenden Instandsetzung zur Gänze wiederentdeckt und behutsam restauriert.

Mittelalterlicher Kern – frühneuzeitliche Hülle
Das Anwesen befindet sich im seenahen Teil der Zollernstraße. Der breitgelagert dreigeschossige, barock geprägte Baukörper des Vorderhauses vereint zwei ältere, spätmittelalterliche Hauskerne, welche als massive Steinbauten errichtet wurden. Eine, sämtliche Geschosse übergreifende, Wand trennt den vergleichsweise schmalen westlichen vom breiteren östlichen Hausteil. Im ersten Obergeschoss trägt diese Trennwand ein Steingewände – einziges erkennbar mittelalterliches Ausstattungsmerkmale des Anwesens. Ansonsten zeigt das palaisartig gestaltete Innere eine barockzeitliche Struktur und ist überwiegend von spätbarocken und klassizistischen Ausstattungsphasen des 18. bzw. frühen 19. Jahrhunderts geprägt.

Der Zutritt erfolgt über ein Vestibül, welches die Verbindung zum Hochkeller und zum repräsentativen, hofseitig angeordneten Stiegenhaus herstellt. Das Stiegenhaus besitzt eine barocke gestemmte Treppe mit Vasenbalustern und erschließt beide Wohngeschosse. Zur Straßenseite befindet sich je eine repräsentative, über eine Enfilade verbundene Raumfolge. Bei diesem aus der Palastarchitektur übernommenen Erschließungssystem werden die einzelnen Räume durch Türen, welche in einer Flucht angeordnet sind, direkt miteinander verbunden.

Das zweite Obergeschoss besticht durch die einheitliche klassizistisch ausgestattete straßenseitige Raumfolge aus dem frühen 19. Jahrhundert. Mittig angeordnet ist der vier Fensterachsen breite Festsaal, welcher zu beiden Seiten von kleineren Anräumen flankiert wird. Der Festsaal weist eine einheitliche Wand- und Deckenstuckierung mit dekorativer Farbfassung auf, welche unter Spanplatten wiederentdeckt wurde. Bei der einst reich bemalten Decke beschränken sich die Stuckteile auf den geometrischen Rahmen und das sternförmige Medaillon in der Mitte. Bestandteil der einheitlichen Raumausstattung sind die Flügeltüren mit vasengeschmückten Supraporten und der gefelderte Dielenboden. Beheizt wurde der Festsaal über zwei in den flurseitigen Ecken angeordnete Öfen, deren Hinterladeröffnung im Stiegenhaus noch erhalten ist.

Das Hinterhaus – Bau der frühen Neuzeit mit Hauskapelle
Bemerkenswert ist auch das über einen kurzen Seitengangflügel erschlossene Hinterhaus. Erste Indizien lassen vermuten, dass der ursprünglich zweigeschossige Massivbau um 1620/30 errichtet wurde. Die hofseitige Rustikafassade zieren drei Steinkartuschen aus Öhninger Kalkschiefer, wobei eine die Jahreszahl 1621 trägt. Die überwiegend in die erste Hälfte des 17. Jahrhunderts datierbaren Wandmalereien im ersten Obergeschoss könnten zur Erstausstattung zählen. Die Nische der nördlichen Außenwand zeigt Jesus und die Samariterin am Jakobsbrunnen, sinnfälliger Hinweis auf die Funktion als Lavabonische. Die ausnahmslos geistlichen Bildthemen, die Lavabonische und ein gewölbter Anraum lassen eindeutig auf eine sakrale Funktion als Hauskapelle schließen. Um 1893 wurde das Hinterhaus durch ein zusätzliches Obergeschoss mit Pseudomansarddach aufgestockt.

Die Instandsetzung
Die Instandsetzung vollzog sich in mehreren Etappen. Schwerpunkt war die Konservierung bzw. Restaurierung der wertvollen Ausstattung, insbesondere der malerischen Raumfassungen, welche teilweise über Jahrzehnte hinter Sperrholztafeln verborgen lagen. Das Innere des Vorderhauses wird behutsam instandgesetzt. Störende Einbauten wurden beseitigt, die in der frühen Neuzeit ausgeprägte Raumstruktur wiederhergestellt, die spätbarocke bzw. klassizistische Ausstattung freigelegt und restauriert. Im Mittelpunkt stand dabei die Restaurierung des Festsaales, der bis Anfang Juli 2009 hinter der Verkleidung verborgen lag und durch eine Wohntrennwand unterteilt war. Nach dem vorsichtigen Ausbau der Spanplatten wurden Schäden sichtbar, die im Zusammenhang mit der nicht hinterlüfteten Verkleidung stehen. Neben großen Lockerungen des Putzgefüges durch das Einbringen von Abstandhaltern haben die klimatischen Bedingungen hinter der Verkleidung zu einem mikrobiologischen Befall der leimgebundenen Farben geführt. Ausbrüche wurden geschlossen und Fehlstellen durch Retusche in die Farbigkeit eingestimmt. Dabei blieb die historische Oberfläche mit ihren Alterungsspuren als authentisches Dokument erhalten.

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