Spitalkapelle Pfullendorf
Die Spitalkapelle wurde um 1500 im spätgotischen Stil erbaut. Sie wurde auch Sallmannsweiler Zehnthofkapelle genannt. Eine Besonderheit ist der Schreinaltar mit der Darstellung der Anbetung des Kindes durch die "Drei Weisen aus dem Morgenland“.
Unmittelbar an das frühere Spital der Stadt (später Alten- und Pflegeheim) angebaut – neben dem Obertor – befindet sich die Spitalkapelle.
Geschichte:
Die Zisterzienser Mönche des Reichsstiftes Salmannsweiler erbauten am nördlichen Mauerring beim Obertor eine Zentrale für die Unterbringung und Verwaltung ihrer Güter, daraus entstand mit der Zeit ein stattlicher Zehnthof. Für die Bediensteten des Zehnthofes, den Pater Oberpfleger und seine geistlichen Besucher wurde im Gebäudeteil neben dem Tor eine Kapelle errichtet.
Es steht nicht fest, wann genau die den heiligen Dreikönigen geweihte Kapelle errichtet wurde, sie wird jedoch bereits 1504 erwähnt. Bau und Ausstattung fallen vermutlich in die Regierungszeit des Abtes Johann II Scharpfer (1494 – 1510), denn sein Wappen – Regenbogen mit zwei Sternen darüber und einem Stern darunter – ist an mehreren Stellen zu sehen: an einem Altarflügel, auf dem Bild „Mariä Tod“ an der inneren Längswand der Kapelle, auf dem Gewölbeschlussstein über dem Westfenster.
1803 fielen die Salemischen Güter der Säkularisation zum Opfer und kamen in die Hände des Fürsten von Thurn und Taxis. Dieser verkaufte die Gebäude 1838 an den Spitalfonds Pfullendorf, welcher den Ökonomietrakt abreißen ließ, um an dessen Stelle den klassizistischen Bau als Spital errichten ließ.
Diesem Umbau wäre beinahe auch die Kapelle, welche bereits zur Versteigerung ausgeschrieben war, zum Opfer gefallen. Durch den Einspruch des damaligen Stadtpfarrers Simon Waldbart blieb die Kapelle original erhalten und der zuständige Freiburger Erzbischof Hermann von Vicari weihte sie 1846 neu.
In der Spitalkapelle:
Bei der Kapelle handelt sich um einen rechteckigen, geosteten Raum von 5,45m auf 8,40m Innenmaß mit einem Sterngewölbe mit 7 Schlusssteinen und einer angeschlossenen Sakristei.
Die Schlusssteine im Netzgewölbe der Kapelle haben über dem Altar das Zisterzienserwappen, dann die Bilder der Heiligen Nikolaus, Benedikt, Agatha, Agnes und Maria und über der Orgel das bereits erwähnte Abtswappen.
Der raumbeherrschende Altar an der Ostwand besteht aus einem geschnitzten Schrein (154cm hoch, 175 cm breit) mit einer Darstellung der „Anbetung der Drei Könige“ mit vergoldeten freistehenden Figuren. Es handelt sich um einen gotischen Altaraufbau mit Krönungsaufbau (fiel bei der Renovation Anfang der 1950er Jahre weg) und Schnitzwerk.
Der Altarkasten ruht auf einer Predella mit den gemalten Brustbildern der vier lateinischen Kirchenväter: Ambrosius, Augustinus, Gregor der Große und Hyronimus.
Auf den Holzfüllungen der beiden beweglichen Flügeln sind vorne und hinten je zwei Heilige aufgemalt.
Sind die Flügel geöffnet, sieht man von links nach rechts:
Außenflügel links: Genovefa und Bernhard von Claivaux. Zu Füßen Bernhards kniet im schwarzen Reisehabit „Abt Johannes II Scharpfer“ aus Salem, der Bauherr der Kapelle und Stifter des Altars. Zwischen der heiligen Genovefa und dem Abt sieht man einen kleinen Teufel. Nicht mehr zu sehen ist ein einst dargestelltes Wagenrad.
Außenflügel rechts: Heiliger Benedikt von Nursia und Heilige Agnes. Die heilige Agnes trägt ein Lamm auf einem Buch in der Hand.
Sind die Flügel zur Advents- und Fastenzeit geschlossen, sieht man von links nach rechts:
Außenflügel links: Johannes der Täufer und Valentin. Das Kindesattribut zu Füßen des Heiligen soll die Gestalt eines Krüppels zeigen, den er geheilt haben soll.
Außenflügel rechts: Anna Selbdritt mit ihrer Tochter Maria und deren Kind Jesus, außerdem der Heilige Jodok. Dieser verzichtete auf Krone und Herrschaft und wurde Einsiedler, Priester und Romwallfahrer. Dies wird mit der abgelegten Krone und den Pilgerattributen dargestellt.
Die beiden Holzplastiken Petrus und Paulus stammen aus dem alten Spital.
Rechts an der Wand zwischen den beiden Holzplastiken findet sich das Bild „Mariä Tod“, das sich früher hinter dem Altaraufbau befand.
Die zwei Aposteltafeln am Ausgang sind aus einer großen Altarpredella der Stadtkirche geschnitten und in Rahmen gefasst worden.
Sakristei der Spitalkapelle:
Hegenauersche Altar von 1726
Der Altar zeigt Maria, Petrus und Paulus, den Pestheiligen Rochus und den Viehpatron St. Wendelin, Josef als Patron der Handwerker und St. Georg, Patron der Ritter. Über Maria schwebt eine große Heiliggeist-Taube. Aus dem Wolkenhintergrund schauen viele kleine Engelköpfe (früher sah man acht Köpfchen und zwei Putten). Bei der Renovation Anfang 1950 fielen die kleinen Engel weg, auch die Buntglasfenster in der Sakristei wurden entfernt und die Malereien von Matthäus Hoffmann im Raum sind übermalt worden. Bis zur Renovation ist der Altaraufbau im Deutschen Kaiser (ehemalige Gaststätte am Marktplatz – früher ein Kloster) im Schlafzimmer der Familie Woerz gehangen.
Madonnenbild
Das Bild von 1800 ist ein Marienrelief, das vor 50 Jahren von Lydia Hügle aus Aach-Linz auf dem Dachboden entdeckt wurde. Nach einer Restauration war es im Besitz der Familie Hügle (Leipzig) bis es im Februar 2011 der Spital-Stiftung als Geschenk übergeben wurde.
Öffnungszeiten: Die Spitalkapelle ist leider nicht regelmäßig geöffnet, sondern nur im Rahmen einer Führung oder am Tag des Denkmals zugänglich.
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