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Turm, Lindau

Pulverturm

Der 1629 erbaute Pulverturm befindet sich am westlichen Ende der Insel. Das dreistöckige Gebäude kann heutzutage für Veranstaltungen gemietet werden.

Errichtet wurde das bullige Bauwerk am westlichsten Punkt der Insel im Jahr 1508 im Rahmen der Stadtummauerung. 1629 setzte man das Zeltdach des ohnehin schon niedrigen Rundturms nochmals zwei Meter tiefer, damit es feindlichen Angreifern weniger Fläche bietet. Mit Erfolg: Den Dreißigjährigen Krieg überstand der Turm unbeschadet. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts wurde der Wehrturm schließlich zum Pulverturm umfunktioniert, die Lindauer Bürgerwehr lagerte ihre Vorräte dort.

1898 verwandelte sich die „Warte gegen Feindesüberfall“ schließlich in „eine Stätte heiterer Geselligkeit“ – so notierte es Bürgermeister Dr. Heinrich Schützinger, der damals als Turmherr einzog, in seinen Aufzeichnungen. Der Großherzog von Baden, der berühmte Luftschiffbauer Graf Zeppelin, der Dichter Paul Heyse und viele andere namhafte Gäste gaben sich ein Stelldichein im zum Aufenthaltsraum umgestalteten Erdgeschoss; eine neu gebaute Treppe führte in das Obergeschoss, das den würdigen Rahmen für zahllose Empfänge bildete. Bis 1919 residierte Schützinger im Pulverturm – seine Erinnerungen an die über 2000 Gäste, die er dort empfing, schrieb er im „Goldenen Buch“ nieder, welches heute im Besitz seiner Nachfahren ist.

Nach Schützingers Auszug wurde der Turm 1945 von den Franzosen in Beschlag genommen und erst im Frühjahr 1952 wieder freigegeben. Seit 1969 ist der Pulverturm Eigentum der Stadtwerke Lindau, die ihn 1988 renovieren ließen. Heute können die drei Etagen für Tagungen und Feiern gemietet werden – doch die illustren Gäste von früher, ihre Tee-Abende und Bacchus-Nächte bleiben vermutlich unerreicht…


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